Mittwoch, 4. Januar 2017

Erinnerungen, Teil-2

oder

Weiße, Gelbe, Rote, Braune und Schwarze und . . . ich, das blasse "Sauer-Kraut".

Sommer 1962 (Seit Mai 1960 in der Firma)
Gruppenfoto Morrisson-Machine-Company
Ich mit Katze auf dem Schoß
                                                                                                 ^ Katze ^
 
                                             ^ ich ^

Nein, von Rassismus merkte man auch bei meiner Arbeitsstelle nichts,
"die" waren einfach nicht vorhanden, auch nicht im Gespräch.

Damals wohnte ich bei Bill (ein Halbindianer) und seiner Frau Hazel in Gardena, California-County

https://en.wikipedia.org/wiki/Gardena,_California

Mein Rassismus-Test: Einladung zur Gartenparty.

Fast alle Arbeitskolleen sagten zu.
Als man später mißtrauisch nachfragte, wer denn da alles "noch" käme und ich durchblicken ließ, daß da auch noch ein sehr dunkler, aber hochintelligenter Freund vom El Camino-College käme, sagten alle (!) Arbeitskollegen freundlich und diskret wieder ab. 

Ich bekam keinerlei Retourkutsche.
Rassismus der unterschwelligen Art halt.


Meine Rückreise von Hamburg nach Los Angeles

Im Herbst 1963 ging es wieder zurück.
Der Sommer war in Norddeutschland kalt und verregnet - ich hielt es einfach nicht mehr in meinem Heimatland aus.
Es wurde wieder eine Schiffspassage.
Da Fliegen war noch immer viel zu teuer und so eine Schiffsreise bietet einem viele Annehmlichkeiten.

21. November 1963

Tagesprogramm auf der T.S.Bremen 1 Tagesreise vor New York
https://de.wikipedia.org/wiki/Bremen_(Schiff,_1939)

                                                           Speisekarte

22. November 1963

https://de.wikipedia.org/wiki/Attentat_auf_John_F._Kennedy
Attentat auf Präsident John F. Kennedy
Präsident Kennedy wurde eschossen am 22. November 1963,
Parkland Memorial Hospital, Dallas, Texas, Vereinigte Staaten

Ab Dezember 1963

Die Firma Morrisson Machine Company war während meines kurzen Deutschland-Aufenthaltes verkauft worden, aber ich fand schnell einen neuen Arbeitgeber in Gardena, LA-County.
Hier wurden immerhin schon zwei nicht ganz so weiße Mitarbeiter beschäftigt,
die in der "Weißen Gesellschaft" eher toleriert wurden.

Ein junger Mexikaner (ich wurde sogar zu seiner Hochzeit
eingeladen) und ein Ingineur (amerikanischer Jude), dem ich beim Schalterbau
für die erste Apollo-Raumfähre assistieren durfte.

Und dann gab es dort auch noch meinen älteren Kollegen,
der allgemein nur "Mister Ed" genannt wurde.
Letzterer brachte mir unabsichtlich bei, daß das,
was ich auf dem El Camino-College in Gardena gelernt hatte,
nicht nur eine Theorie war, und das war so:

Mister Ed war ausschließlich in dem Bereich der Werkzeugmaschinen tätig.
Zur Erleichterung seiner Arbeit hatte er einen alten, speckigen und verschlissenen Drehstuhl zur Verfügung, er war ja schon etwas älter . . .
Eines Montag-Morgens stand ein niegel-nagel-neuer Drehstuhl an seiner Fräsbank.

Aber anstatt sich zu freuen, stellte Mister Ed seine Arbeit ein und verlangte seinen alten Drehstuhl wieder.
Alle Mitarbeiter schüttelten den Kopf.
Ich ahnte erst nach Stunden, daß mein Dozent Mr. Lyle Tussing
am El-Camino-Colege genau diese Situation meinte:
Fast jeder Mensch möchte bei *jeglichen* Veränderungen, die sein Arbeitgeber vornimmt, *vorher* gefragt und in die Entscheidungen einbezogen werden.

Siehe "Tussing, Industrial Psychology"

August 1965

https://de.wikipedia.org/wiki/Watts-Aufruhr

Zu der Zeit wohnte ich in Torrance (LA-County, California),
--> https://en.wikipedia.org/wiki/Torrance,_California

rund 20 Kilometer von Watts entfernt.
Aufstand der schwarzen Bevölkerung in Watts (Los Angeles)
Watts-Aufruhr – Wikipediade.wikipedia.org › wiki › Watts-Aufruhr
In der Nacht hörte ich den Polizei- und Feuerwehr-Funk
(am Randes des FM/UKW-Radio Frequenzbandes) ab.

Das besondere Erlebnis in einem "Deutschen Kino"
in Downtown Los Angeles.
Es lief ein Heimweh-Film mit Freddy Quinn.
Die vorderen Sitzreihen waren schwach besetzt.
Dann kam eine große Lücke und die hinteren Sitzreihen
waren etwa stärker belegt.
Und mitten drin in dieser großen Lücke saß ein Schwarz-Afrikaner.
Für das warme Los Angeles war dieser Herr ungewöhnlich europäisch gekleidet:

Weißes Hemd, Krawatte, dunkel blauer Nadelstreifen-Anzug
und eine Goldrandbrille auf der Nase.
Ich setzte mich demonstrativ in die selbe Reihe,
hielt aber einen angemessenen seitlichen Abstand zu ihm ein,
damit er sich nicht bedrängt fühlen konnte.

Siehe auch:
PSYCHISCHE GESUNDHEIT
"Bitte Abstand halten: Die 4 Distanzzonen des Menschen"

https://www.gesundheitstrends.com/a/schlaf-und-psyche/bitte-abstand-halten-14695

Diese Seite ist eine Dauer-Baustelle!
Weitere Fotos und Texte folgen noch . . .

Montag, 23. Mai 2016

Das Alter und die "Guten alten Zeiten".

Wann hatte ich zuerst gemerkt, daß ich so langsam Alt werde?
Nun, ich denke, daß mir dieses zuerst bewußt wurde, als mir das Holzspalten mit der Axt zu schwer wurde und mir dabei nach kurzer Zeit der Schweiß ausbrach.
Das war damals, vor langer Zeit - ich war so um die 50 herum.

Heute merke ich dieses Altern noch etwas deutlicher.
Kaum hab ich die 76 Jährchen hinter mir, da fällt mir das Aufstehen schwerer als vorher.
Besonders auffällig ist dieses beim Aufstehen aus der Hocke heraus oder wenn ich auf einen Stuhl steigen will. Ohne die Hilfe meiner Hände gelingt mir dieses nicht mehr so recht.

Ja, auch an meinen Zähnen merke ich dieses Altern.
Mein Zahnarzt verdient jetzt sein Geld an mir mit einer gelegentlichen Überkronung eines meiner brüchigen Zähne und anderen Flickschustereien an meinem (noch) natürlichen Gebiß.

Mit meinen grauen Zellen habe ich da weniger Probleme.
Mußte ich früher meine Brigitte doch ab und zu darum bitten mir meine Brille zu suchen, so finde ich meine Sachen heute deutlich sicherer und schneller.
Ja, ich weiß noch, wie es vor Jahren einmal war, daß ich meine Bohrkrone (zum Ausbohren eines Loches in der Wand für eine neue Steckdose) nicht finden konnte . . . Meine Brigitte hatte zwar keine Ahnung, was das für ein Ding ist, aber nach meiner Beschreibung hatte sie dieses wertvolle Teil doch innerhalb kurzer Zeit tatsächlich gefunden!

Auch mit den Problemen an den Computern meiner Freude und Bekannten komme ich immer noch recht gut zurecht.
Und dank der "Altgeräte-Spenden" meines Sohnes bin ich inzwischen auch bestens, mit den von mir freiwillig nachgekauften Nachfolgern seines alten Smartphones und Tablets, vertraut und nutze diese, zum Leidwesen meiner Frau, auch fleißig bei den Nachrichtensendungen am Fernseher.

Nein, im Kopf bin ich noch nicht alt geworden, aber um den Kopf herum schon.
Beim Autofahren macht es mir jetzt immer mehr Probleme, daß ich keinen "langen Hals" mehr machen kann; das wird schon manchmal auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums zu einem echten Ärgernis.
Ja, ja, die lieben Halswirbel und deren Muskeln drumherum sind doch nicht mehr das, was sie früher einmal waren . . .

Ein wenig Sorgen bereitet mir aber indessen das zeitweilige Zittern meiner Hände, wenn eine bestimmte Muskelanspannung besteht.
So zittert meine linke Hand beim Halten meines Tabletts zeitweilig so sehr, daß ich dieses nicht mehr richtig betrachten kann.
Meine rechte Hand bereitet mir dagegen etwas weniger Ärger.

Aber mein damaliges Ärgernis - das gezählte Alter - ist längst zu meinem Vergnügen geworden:
Die Leute verschätzen sich fast immer, wenn sie mein Alter schätzen.
Hatte es mich damals in Torrance (L.A.) noch geärgert, daß ich mit 25 Jahren immer noch meinen Ausweis an der Kasse zeigen mußte, wenn ich mir nur eine Flasche Kirschwein kaufte, so hat sich dieses in eine diebische Freude verwandelt, wenn sich die meisten Leute jetzt - genau so wie damals - kräftig verschätzen.
Meine immer noch vollen dunkten Haare (ja, so ein paar kleine graue Ecken sind da schon zu sehen) täuschen doch noch immer über meinen Krückstock hinweg, ohne den ich nur selten spazieren gehe.

Und dennoch: Die drei wichtigen Papiere wie Testament, Patientenverfügung und Betreuungsverfügung liegen für den Notfall in meiner obersten Schreibtischschublade bereit.
Aber am Aufräumen meiner Sachen bin ich noch nicht; dazu besteht keine Eile.

Samstag, 23. April 2016

Erinnerungen, Teil I.

Das Leben hat es immer wieder gut mit mir gemeint.
Nun ja, da waren auch weniger gute Zeiten und Vorkommen dabei, aber die konnten mein Leben nicht dauerhaft überschatten.
Meine ersten 3 Jahre verbrachte ich bei meinen liebevollen Eltern und meinen 3 Brüdern in einem Reihenhaus mit Garten in Hamburg-Wandsbek-Gartenstadt.

Der Krieg
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mich meine ältere Cousine mit auf die Schaukel nahm und wie wir dann beide geruhsam durch die Luft pendelten.
Auch an die herrlichen Bürgermeister-Birnen von unserem eigenen Baum kann ich mich noch gut erinnern. Diese Bürgermeister-Birnen sind bis heute meine liebste Birnensorte und meine Frau hat jetzt die Last, mir diese Rarität im Herbst zu besorgen.

Aber auch an jene Bombennacht kann ich mich erinnern, als wir Brüder im Bunker unter die unterste Etage der 3-stöckigen Holzbetten krabbelten, um den auf  den Bunker fallenden Bomben zu entkommen.
Ja, wir hatten vor Angst die Hosen voll, während der Bunker bebte.
Zum Glück erlebten wir die Bombardierung unseres Reihenhäuschens nicht, da waren wir schon längst nach Bayern evakuiert worden

Die Zeit in Bayern
Es war Krieg und die Tiefflieger sausten zeitweilig an der nahe gelegenen Bahnlinie entlang.
Wri Kinder waren fasziniert von den tief fliegenden Flugzeugen und wollten oft auf die Zurufe unserer Mutter nicht ins Haus kommen.
Nein, Angst hatten wir vor denen nicht, denn sie kamen ja nie in die Nähe unserer Häuser, sondern hatten es wohl nur auf die Bahnlinie abgesehen.

Als dann die Amerikaner einmarschierten und ganz in der Nähe unseres Hauses ihr Camp aufschlugen, begann für uns Kinder eine recht interessante Zeit.
Die Weißen Soldaten hausten in schnell aufgebauten Holzbaracken und die Neger-Soldaten (ja, "Neger" war damals noch nicht als Schimpfwort deklariert) schliefen auf der Wiese in ihren Zelten.

Nein, wir Kinder hatten keine "Angst vor dem Schwarzen-Mann" - wir hatten schnell heraus, daß sie meistens viel freundlicher zu uns waren als ihre Weißen Kameraden.
Wer fütterte uns Kinder denn mit Schokolade und Apfelsinen? Das waren die Neger.
Die anderen Soldaten hatten eher ihr Vergnügen daran, uns Kinder zuerst den Deutschen Gruß sagen zu lassen, um uns dann, wenn wir darauf hereingefallen waren, hoch zu nehmen und den Arsch zu versohlen.

Krieg - Es war auch eine gefährliche Zeit . . . wenn wir spielten, 
allerdings erkannten wir dieses als Kinder nicht so recht.
Meine Brüder und die Nachbar-Jungs klauten von den Amerikanern verschieden Arten von Munition und spielten recht unbedarft mit denen.
Einmal wurde gar eine Sprengkapsel mit Zündschnur erbeutet und einer meiner Brüder und ein Nachbarjunge stritten darüber, ob man nun die Zündschnur anzünden oder aber das Ding lieber aufschrauben sollten.
Als dann nach dem Aufschrauben das weiße Pulver auf der Erde lag, stellte sich der Nachbarjunge aufrecht darüber und ließ ein brennendes Streichholz herunter fallen.
Anschließend hatte er keine Augenbrauen mehr und sein vorderes Haarbüschel oben auf dem Kopf sah auch recht komisch aus und stank fürchterlich nach verbranntem Horn. Seine Augen hatten zum Glück keinen Schaden genommen und auch Brandwunden blieben aus.
Ein anderes mal wurde gar ein ganzer Gürtel mit den langen Patronen für ein Maschinengewehr erbeutet. Die einzelnen Patronen wurden aus dem Gürtel heraus gefingert und der vordere Teil wurde so lange an einen Kantstein geklopft, bis die Spitze gelockert war und heraus fiel.
Das so gewonnene Pulver brannte dann immer in einer schönen Stichflamme.
Einen Teil der Patronen legten wir auch oben auf dem Bahndamm auf die Gleise.
Wenn dann nach langer Zeit ein Güterzug kam, dann hörte sich das an, als wenn dort oben ein Brett brach: Krrackkkkkkkkkkkkk.

Die Rückkehr nach Hamburg
Meinen 6. Geburtstag feierte ich wieder in Hamburg.
Unser Reihenhaus war im Kriege abgebrannt; eine Phosphorbombe soll die Ursache gewesen sein.
wir wurden in das private Wohnhaus eines Schmiedemeisters im oberen Stockwerk einquartiert.
Und auch hier fand ich immer wieder Menschen, die mir freundlich und liebevoll entgegen kamen. mir scheint heute, daß ich immer das Geschick hatte, mich auch bei den anderen Müttern in der Nachbarschaft einzuschmusen. Und dieses Geschick erleichterte mir auch die nachfolgende Zeit erheblich, als unsere Mutter an Brustkrebs erkrankte und wir immer wieder einmal für einige Zeit in ein Kinderheim kamen und damit auch die Schule wechseln mußten.
Es war eine Zeit der kurzen Freundschaften, die immer wieder zerbrachen - und dennoch war auch diese Zeit irgendwie schön.
Da war "Tante" Ellen und "Tante" Lisa im Kinderheim, die mir so manches mal die fehlende Mutter ersetzten und mich aufpäppelten und auch so einiges durchgehen ließen.
Eines der schönsten Beispiele war folgendes:
Ich hatte Angst vor einer Klassenarbeit in Mathe und schlief in der Nacht davor recht schlecht.
Am Morgen wollte ich dann nicht aufstehen, weil mir angeblich der ganze Rücken weh täte.
Meine Bettnachbarn bestätigten auch, daß ich in der Nacht im Schlaf oft vor Schmerzen gestöhnt hätte. Die Diagnose "Hexenschuß" war dann schnell gestellt und die Heimtante Lisa ließ mich den ganzen Tag nicht mehr aus dem Bett. - Auch nicht, als draußen die Sonne warm strahlte und es mir schon "viel viel besser" ging.
So schmorte ich dort im Bett den ganzen Tag, während meine Freunde in der Kinderheimgruppe draußen im schönsten Sonnenschein spielten.
Damals wußte ich noch nicht, daß man mich voll durchscheut und mich mit dieser recht subtilen Erziehungsmethode dauerhaft kurierte.
Die Freizügigkeit und die Erziehungsmethoden in diesem Kinderheim in Hohen-Bergstedt waren der damaligen Zeit weit voraus!
Wir Kinder hatten einen Schäferhund-Mischling im Hause, eine Wiese zur Alter hin und konnten uns sogar ein Floß aus denn ergatterten großen Benzinkanistern der englischen Armee bauen und auf der Alster bis zur Wellingsbütteler Schleuse schippern.
Und auch, als der Freundeskreis um meinen Bruder, einmal die Wiese zur Alster hin in Brand steckte, gab es keine Prügel, sondern nur Stubenarrest.

Der Tod unserer Mutter und unsere neue Stiefmutter und unsere Nachbarn.
Auch als unsere Mutter im Frühjahr 1951 starb wurden wir im Kinderheim liebevoll aufgefangen.
Aber unsere Stiefmutter hatte bei uns 5 Brüdern keine wirkliche Chance.
Sie hatte sich redlich bemüht, scheiterte aber letztendlich, als wir Jungs nacheinander so langsam in die Pubertät kamen. Die von ihr mit in die Ehe gebrachte Tochter machte ihr das Leben in dieser Großfamilie auch nicht eben leichter.
Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie sie mich einmal liebevoll umsorgte, als ich mit dem Fahrrad meines älteren Bruders schwer gestürzt war und mit blutigen Knien nach Hause kam:
Ich wurde liebevoll getröstet, sauber gemacht und so gegen 3 Uhr nachmittags erst einmal ins Bett gebracht.
Es gab auch kein Donnerwetter wegen des arg lädierten Fahrrades - damals immerhin ein rares Stück!

Ich hatte da auch so meine Anlaufstellen, wenn ich mal ein paar Streicheleinheiten brauchte.
Da war die Nachbarin hinter dem Teich, die mit ihrem Mann und den kleinen Kindern in einer Baracke wohnte. Und weiter oben, an der Straße in Richtung Berner Bahnhof, war die Frau Minzreck mit ihren beiden rothaarigen Zwillingen (Klassenkameraden meines älteren Bruders), die sehr herzlich war und immer auch etwas zu Essen hatte; das war so nach dem Kriege schon etwas Besonderes!
Und ein Stückchen weiter wohnte ein älteres Ehepaar in einem kleinen Gartenhäuschen, die immer viel Zeit hatten. Die freuten sich immer riesig, wenn ich mir in ihren Garten ein paar Äpfel, Birnen oder andere Leckereien abholte.
Ich hatte lange gerätselt, warum die beiden Alten schon immer an der offenen Tür warteten, wenn ich durch den langen Gartenweg kam - des Rätsels Lösung verriet mir der alte Herr dann einmal: Da sei ein Draht an einem Kontakt an der Pforte und jedes mal, wenn einer die Pforte aufmachte, klingelte es schon im Haus bei ihnen. Das sei notwendig, weil zu jener Zeit noch die Äpfel und Birnen (oder gar auch das Gemüse) noch aus dem Garten geklaut wurden.

Besondere Menschen auf meinem weiteren Lebensweg.
Da waren zunächst Meine Lehrer an den verschiedenen Schulen.
In Bergstedt war das der gerechte, aber etwas strenge Klassenlehrer Herr Knittel mit runden Gläsern in seiner Drahtbrille und Frau Becker, meine sehr nette ältere Englisch-Lehrerin.
An die Lehrer und Lehrerinnen in Rahlstedt kann ich mich nicht mehr erinnern, dafür aber umso besser an meinen Klassenlehrer Herrn Eggers in der Schule am Graudenzerweg in Wandsbek-Gartenstadt.
Seinen anschaulichen Unterricht in Sachen Plattdeutsch werde ich nie vergessen.
Er machte den Fehler, uns beizubringen, daß die Schimpfwörter auf Plattdeutsch zwar oft deftiger und dennoch meist weniger verletzend seien. Als Beispiel nannte er uns eines, allerdings unter vorheriger Abnahme des Versprechens, daß wir dieses Wort danach bitte nicht weiter benutzen dürften: "Schietmist" sei doch viel milder als unser hochdeutscher Ausdruck "Scheißdreck".
Natürlich war dieses, für uns neue, Wort Schietmist danach eines unserer Lieblingswörter.

Einen Bruck in dieser recht kinderfreundlichen Umgebung gab es erst, als ich damals in die damals so genannte "Technische Oberschule" (Realschule) versetzt wurde.
Der neue Klassenlehrer verkündete gleich in den ersten Tagen, daß er kräftig sieben müsse, weil die derzeitige Klassenstärke von 43 Schülern und Schülerinnen einfach für einen Unterricht zu groß sei.
Ich gab mir keine Mühe und versackte rettungslos in den Fächern Matehematik und Englisch.
Der Erfolg war erfreulich: Ich hatte meinen alten Klassenlehrer, Herrn Eggers, wieder!
Meine Note in Englisch kam hier allerdings auch nicht über eine Vier hinaus . . . das sollte sich in meinem späteren Leben ändern.
Im Jahre 2004 waren wir in England zu Besuch bei Freunden und ich wurde dort in dem kleinen Städtchen in der Nähe von London in einem kleinen Secondhand Lädchen von der etwas älteren Verkäuferin gefragt: "Do you come from Australia?"
Sie ahnte bei meinem in den USA erworbenen Akzent-Mischmasch nicht, daß ich ein waschechter Hamburger aus Deutschland sein könnte und war dann doch sehr erstaunt, als ich sie über meine Herkunft aufklärte.

Mehr Heiterkeit verursachte ich allerdings im Jahe 2000, mit meinem Spruch:

"I am just a real Hamburger . . . but not as tasty!"

Die beiden Mädels, die mich bei meinem Urlaub am Grand Canyon fragten, woher ich komme, konnten sich vor Lachen kaum noch halten.

Sonntag, 21. Juni 2015


California Dreaming 
Letzte Aktualisierung dieser Seite am: 20.02.2016 - 12:10 h 


Übersicht über meine Arbeits-Reisen in die "Neue Welt"


 TS-Hanseatic - 13. Mai 1960 - Von Cuxhaven nach New York 
Ankunft am 20. Mai 1960
Die Seeleute waren damals aber doch noch sehr abergläubisch . . . die Hanseatic ist nicht wirklich am 13. Mai ausgelaufen, sondern schon rund 2 Stunden vor Mitternacht am 12. Mai 1960
Die Schippfspassage kostete mich damals US$ 198.- (auf Ktredit!)
3 Jahre hatte ich es in dem schönen und sonnigen Kalifornien ausgehalten, bis mich das Heimweh packte und ich 'für immer' wieder nach Hause schipperte.

 MS-Berlin - 29. April 1963 - Von New York nach Bremerhaven
Ankunft am 8. Mai 1963
Der Sommer in Deutschland war kalt und verregnet, ich hielt es auch nicht mehr aus und ich wollte für immer zurück in mein sonniges California.

 TS-Bremen - 16. November 1963 - Von Bremerhaven nach New York
Ankunft am 24. November 1963
Tscha, und irgendwann merkte ich doch wieder, daß der Begriff 'Heimat' nicht nur so irgend ein Schlagwort ist, sondern ein Gefühl, dem man nicht widerstehen kann. Also buchte ich mein letztes Ticket über den großen Teich, zurück in deutsche Lande.

 TS-Hanseatic - 27. April 1966 - Von New York nach Cuxhaven
Ankunft am 6. Mai 1966
Wenn ich mich recht entsinne, dann schaffte die Hanseatic noch einmal die Reise nach New York und  brannte dann dort nach Reparaturarbeiten im Hafen aus,
Das war am 7. September 1966 - 3 Stunden vor dem erneuten Auslaufen.
Ich bin ja nicht abergläubisch (siehe aus das erste Abreise-Datum!), aber mich beschlich dennoch so ein Gefühl, als ob dieses Unglück so ein Wink des Schicksals für mich sein sollte, nun endlich wieder seßhaft zu werden.

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Anmerkung
Bis auf eine einzige Ausnahme (der Meister in Stearns Company in Seattle) habe ich immer freundliche und hilfsbereite Vermieter und Arbeitskollegen gehabt.
Allerdings war auch zeitweilig ein gewisser Rassismus gegen Schwarze Mitmenschen und Juden spürbar.

Montag, 7. März 2011

Auswandern auf Zeit. Warum?

Wie bin ich eigentlich auf die Idee gekommen auszuwandern?
Nun, das war ganz einfach.
Ich wohnte mit 19 Jahren mutterseelenallein auf einem möblierten Zimmer und verdiente nach meiner Gesellenprüfung soo wenig, daß ich mir kaum etwas außer der Reihe kaufen konnte.

Und dann hatte ich da noch meinen Bruder Klaus und die Schwägerin Wanda . . .
Beide hatten einen ganz erheblichen Einfluß auf meine Entscheidung die USA mit meinem Besuch zu beglücken.

Nun, das war im Herbst 1959.
Da fuhr man noch mit dem Moped umher und nicht mit einem Auto . . .

Die Initialzündung kam (ungewollt) von der Zeitung, die man nicht schräg halten durfte, weil sonst das Blut daraus tropfen würde (so etwas Gehässiges sagte man damals halt über dieses noch heute bestehende Blatt).
Da wurde in großer Aufmachung von einem Metallarbeiter-Streik in Detroit berichtet.
Die Arbeiter dort waren nicht mehr mit dem bestehenden Stundenlohn von 4,05 $ einverstanden und verlangten gar ganze 4,35 $ !

Bitte vergeßt nicht, daß der Dollar damals zu einem Wechselkurs von etwa 4,20 DM gehandelt wurde.
Also wollten die in Detroit damals eine Lohnerhöhung von 17,01 DM auf 17,64 DM durchsetzen!
Und ich verdiente gerade mal eben 2,37 DM in der Stunde?
Ja, in meinen Augen wurden ganz plötzlich die Dollar-Zeichen sichtbar.

Mir entfuhr ganz spontan der Spruch:
"Oooh, daß müßte man hier auch verdienen!"
Meiner lieben Schwägerin sind diese Worte - und auch die $-Zeichen in meinen Augen - nicht entgangen und sie meinte ganz trocken: "Ja, mach doch. Fahr hin."
Dann gingen die Worte wie ein Ping-Pong-Ball hin und her. Wanda stichelte, daß ich doch nur nicht genug Mumm in den Knochen hätte und mir gingen die Ausreden aus, warum ich denn nicht "rüber" könnte.
Aber der Angelhaken hatte sich in meinen Gedanken fest verfangen.
Also ging ich eines Tages zum Arbeitsamt und erkundigte mich nach Jobs in den USA.
Die Beratung war gut.
Der Sachbearbeiter sagte mir ohne zu zögern, daß das Arbeitsamt da nicht so die rechte Stelle sei, da hätten Andere bessere Verbindungen nach "drüben".
Er fragte nach meiner Religionszugehörigkeit und empfahl mir dann den St. Raphaels Verein
Die bessseren Verbindungen hätte zwar wohl die jüdische Gemeinde, aber die zuständige Stelle in der Evangelischen Kirche wäre doch wohl weniger hilfreich.

Es gab damals noch kein Internet, aber den St. Raphaels-Verein fand ich sofort im Telefonbuch.
Dort wurde mir recht schnell, kompetent und freundlich unter die Fittiche gegriffen . . . und schwupps, schon im Mai 1960 war ich "drüben".
Die Überfahrt auf der Hanseatic kostete mich 189 Dollar; genauer gesagt, der St. Raphaels-Verein gab mir dafür einen entsprechenden Kredit.

Von Cuxhaven ging es via South Hampton nach New York.
Von dort ging es nach 3 Tagen mit einem TurboProp weiter über Chicago nach Burbank (Los Angeles).
Frank, der vor 3 Jahren auf dem gleichen Weg wie ich nach Los Angeles gekommen war, holte mich ab



Dieser Eintrag ist noch nicht fertig, es geht hier demnächst weiter . . .

Sonntag, 6. März 2011

There is no Soul in Machine-Talk

There is no Soul in Machine-Talk.
There is no life in black letters on white paper.
Printed words can not tell what I am feeling.
Words, even if they are spoken,
will not be able to ease the grief you may feel.
Words, whether printed or spoken,
can not undo what happened.
I just want you to know, that you are not alone.

26. Dezember 2005, Kurt

Samstag, 20. November 2010

Meine Arbeitgeber in
Californien (Los Angeles) und Seattle (WA)

23. Mai 1960 bis 14. April 1963
Morrison Machine Co.
15123 Grevillea Avenue
Lawndale, California
- Zulieferer für Boing und andere Betriebe.

Meine Adressen in dieser Zeit:

bei Frank (?)
4436 W. 163rd Street
Lawndale, California

und später bei
Hazel und Bill Gibson
2809 W. 155th Street
Gardena, California
und
bei Mary Chiara
17008 Delia Ave.
Torrance, California

Ein kurzer, regenreicher und kalter "Heimweh"-Aufenthalt in Jesteburg-Osterberg (nahe Buchholz in der Nordheide) von Mai bis November 1963 reichte mir, um schleunigst wieder in das sonnige und warmeCalifornia zu flüchten.


Ende November 1963 bis Frühjahr 1964
Robert J. Downing DBA
Little Engineering Co.
13010 Yukon Avenue
Hawthorne, California
In dieser Zeit habe ich wieder bei Mary Chiara gewohnt.

Von - bis 1964 (nur ganz kurz)
Stearns Company
25 West Nickerson Street
Seattle, Washington

In Bellevue hatte ich ein nettes Zuhause gefunden bei
Henry E. Wermke und seiner Frau
1837 156th N.E.
Bellevue, Washington

Von - bis 1964 nur 2 oder 3 Monate
Hydro Drive Corp.
P.O. Box Z
Kirkland Washington
Doppel-Bug Speedboot-Bau
mit speziellem Außenboard-Getriebe für fest im Inneren verbaute Motoren.

In dieser Zeit habe ich weiterhin auf der anderen Seite
des Lake Washington in Bellevue gewohnt.
Es waren Deutsche (der Mann mit viel Heimweh)
Es waren Henry E. Wermke und seine Frau

Dieser Scheck ist noch eine kleine Erinnerung aus der damaligen Zeit.


Von Mitte 1964 bis Mitte April. 1966
JAY - EL Products, Inc.
1859 West 169th Street
Gardena California
- Schalterbau für die erste Apollo Raumfähre -

Hier wohnte ich, bis zu meiner endgültigen Rückreise nach Deutschland,
wieder bei Mary Chiara.

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Gern gesehener Gast

.
Und es sagte der Gast zu seinem Gastgeber:
"Ja, ich bleibe gern noch ein Jahr."
- und dieser erschrak.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Meine Reisen zwischen der 'Alten' und der 'Neuen Welt'

.
  13. Mai - 20. Mai 1960
Cuxhaven - Southampton - Neuw York
mit der T.S. Hanseatic
von der Hamburg-Atlantik Linie

  29. April - 8. Mai 1963
New York - Southampton - Bremerhaven
mit der M.S. Berlin
vom North German LLoyd

  16. November -  23. November 1963
Bremerhaven - Southampton - New York
mit der T.S. Bremen
von North German LLoyd

  27. April - 6. Mai 1966
New York - Southampton- Cherebourg - Cuxhaven
mit der T.S. Hanseatic
von der Hamburg-Atlantik Linie
- Es war die vorletzte Fahrt dieses stolzen Schiffes.
- Nach der Rückkehr nach New York ist die T.S. Hanseatic
- dort bei Reparaturarbeiten ausgebrannt.

Freitag, 15. Oktober 2010

Schlaganfall - Die vergessenen Alten . . . . . Und "Das Methusalem-Komplott"

.
Nein, nicht immer sind es alte Menschen, die vom Schlaganfall getroffen werden.
Es ist auch nicht immer ein Schlaganfall, der ältere Mitbürger aus dem Verkehr zieht.
Aber gehe einmal in einer Intensiv-Station eines größeren Krankenhauses spazieren und schau einmal in ein sogenanntes "Stroke-Unit" ( =  das ist denglisch für "Schlaganfall-Abteilung") hinein.
Wen siehst Du da?
Fast ausschließlich ältere Patienten.
Warum das so ist?
Nun, ein Schlaganfall ist oft eine der langfristigen Folgen von solchen Volkskrankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck, und da braucht es so seine Zeit, bis der Körper dann endlich streikt.

2030 Aufstand der Alten

Wer diesen Film gesehen hat, der mag meinen, daß das halt nur ein Horror-Film war . . . aber die Wirklichkeit scheint gar nicht so weit vom Film entfernt zu sein.

Bei meinem kurzen Aufenthalt in der Notaufnahme eines Harburger Krankenhauses - ich hatte wieder einmal einen Gichtanfall in meinem Großen-Zeh - lernte ich den Freund eines von einem Schlaganfall Betroffenen kennen.
Der gute Mann hatte sich die Brille ins Auge gerammt, weil er im Dunkeln auf dem Fußweg gestolpert und hingefallen war.
Er erzählte mir von dem Bruder seines Freundes, einem ehemaligen Wachkoma-Patienten.

Als er merkte, daß ich dem Computer verfallen bin, da sprudelte es nur so aus ihm heraus:
Daß es eine Sauerei sei, wie da mit solchen Schlaganfall-Patienten umgegangen werde, wenn diese von der Intensivstation eines Krankenhauses in ein Pflegeheim "verschoben" würden und daß man doch darüber im Internet schreiben müßte . . .
Diese sogenannten "Pflegeheime" seien ja nicht viel mehr als "Aufbewahrungs-Stationen"!
Selbst in sogenannten "Reha-Abteilungen" sei in manchen Pflegeheimen nur herzlich wenig von Reha zu spüren . . .
Es sei ja doch lukrativer, wenn man diese hilflosen Alten nicht allzu fit macht, denn dann könnten sie ja dem Pflegeheim verlustig gehen . . . mit Dauergästen könne man ja seine Rentabilität (=Gewinn) viel besser kalkulieren.
 Siehe auch im Spiegel-Artikel vom 31.08.2007

Also machte ich mich mit "Googles Hilfe" auf und recherchierte auch in der Wikipedia.de, wie es da so im Netz in Sachen Schlaganfall aussieht.

Die erste Seite, die ich fand, war bei Google unter diesem Suchbegriff zu finden:

"Ich hatte einen Schlaganfall"

Eines der besten Ergebnisse war die Seite:
Strokeman - Und plötzlich war es alles anders

Beim Lesen in diesem Blog fand ich dann unter dem Titel Früher den Kommentar eines Walters, der auch seinen Link im Namen hinterlassen hatte.
Und so landete ich schließlich auf der Seite von Walter und Gustav:
Schlaganfall - Ein Tagebuch

Waren die Berichte von 'Strokeman' noch recht düster und der Hintergrund des Blogs ebenso, so schimmert bei 'Walter und Gustav' doch auch ein Funke Hoffnung durch. Das kommt besonders hervor im Eintrag
Es geht vorwärts. "Die Hoffnung stirbt zuletzt!"
Wenn ich dann aber die anderen Beiträge in diesem Blog lese, dann hilft auch der hoffnungsvolle grüne Hintergrund des Blogs nicht ganz über die düstere Stimmung hinweg . . .

Ja, da scheint leider etwas dran zu sein, an der Bemerkung  "Aufbewahrungsstätte für Alte Menschen"
Also werde ich jetzt erst einmal das folgende Buch bestellen und lesen:

Das Methusalem-Komplott
Lest einmal die Rezensionen !

~ ~ ~

So geht das halt in der "Bloggerei" . . .
Man trifft einen Menschen.
Es entwickelt sich ein Gespräch.
Das Gespräch geht einem nicht mehr aus dem Sinn.
Dann wird "gegoogelt" und in der Wikipedia.de geschmökert . . .
. . . und schon hat man ein Thema, über das man einfach schreiben muß.

Euer Netzgärtner Kurt
.