Montag, 23. Mai 2016

Das Alter und die "Guten alten Zeiten".

Wann hatte ich zuerst gemerkt, daß ich so langsam Alt werde?
Nun, ich denke, daß mir dieses zuerst bewußt wurde, als mir das Holzspalten mit der Axt zu schwer wurde und mir dabei nach kurzer Zeit der Schweiß ausbrach.
Das war damals, vor langer Zeit - ich war so um die 50 herum.

Heute merke ich dieses Altern noch etwas deutlicher.
Kaum hab ich die 76 Jährchen hinter mir, da fällt mir das Aufstehen schwerer als vorher.
Besonders auffällig ist dieses beim Aufstehen aus der Hocke heraus oder wenn ich auf einen Stuhl steigen will. Ohne die Hilfe meiner Hände gelingt mir dieses nicht mehr so recht.

Ja, auch an meinen Zähnen merke ich dieses Altern.
Mein Zahnarzt verdient jetzt sein Geld an mir mit einer gelegentlichen Überkronung eines meiner brüchigen Zähne und anderen Flickschustereien an meinem (noch) natürlichen Gebiß.

Mit meinen grauen Zellen habe ich da weniger Probleme.
Mußte ich früher meine Brigitte doch ab und zu darum bitten mir meine Brille zu suchen, so finde ich meine Sachen heute deutlich sicherer und schneller.
Ja, ich weiß noch, wie es vor Jahren einmal war, daß ich meine Bohrkrone (zum Ausbohren eines Loches in der Wand für eine neue Steckdose) nicht finden konnte . . . Meine Brigitte hatte zwar keine Ahnung, was das für ein Ding ist, aber nach meiner Beschreibung hatte sie dieses wertvolle Teil doch innerhalb kurzer Zeit tatsächlich gefunden!

Auch mit den Problemen an den Computern meiner Freude und Bekannten komme ich immer noch recht gut zurecht.
Und dank der "Altgeräte-Spenden" meines Sohnes bin ich inzwischen auch bestens, mit den von mir freiwillig nachgekauften Nachfolgern seines alten Smartphones und Tablets, vertraut und nutze diese, zum Leidwesen meiner Frau, auch fleißig bei den Nachrichtensendungen am Fernseher.

Nein, im Kopf bin ich noch nicht alt geworden, aber um den Kopf herum schon.
Beim Autofahren macht es mir jetzt immer mehr Probleme, daß ich keinen "langen Hals" mehr machen kann; das wird schon manchmal auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums zu einem echten Ärgernis.
Ja, ja, die lieben Halswirbel und deren Muskeln drumherum sind doch nicht mehr das, was sie früher einmal waren . . .

Ein wenig Sorgen bereitet mir aber indessen das zeitweilige Zittern meiner Hände, wenn eine bestimmte Muskelanspannung besteht.
So zittert meine linke Hand beim Halten meines Tabletts zeitweilig so sehr, daß ich dieses nicht mehr richtig betrachten kann.
Meine rechte Hand bereitet mir dagegen etwas weniger Ärger.

Aber mein damaliges Ärgernis - das gezählte Alter - ist längst zu meinem Vergnügen geworden:
Die Leute verschätzen sich fast immer, wenn sie mein Alter schätzen.
Hatte es mich damals in Torrance (L.A.) noch geärgert, daß ich mit 25 Jahren immer noch meinen Ausweis an der Kasse zeigen mußte, wenn ich mir nur eine Flasche Kirschwein kaufte, so hat sich dieses in eine diebische Freude verwandelt, wenn sich die meisten Leute jetzt - genau so wie damals - kräftig verschätzen.
Meine immer noch vollen dunkten Haare (ja, so ein paar kleine graue Ecken sind da schon zu sehen) täuschen doch noch immer über meinen Krückstock hinweg, ohne den ich nur selten spazieren gehe.

Und dennoch: Die drei wichtigen Papiere wie Testament, Patientenverfügung und Betreuungsverfügung liegen für den Notfall in meiner obersten Schreibtischschublade bereit.
Aber am Aufräumen meiner Sachen bin ich noch nicht; dazu besteht keine Eile.

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