Wann hatte ich zuerst gemerkt, daß ich so langsam Alt werde?
Nun, ich denke, daß mir dieses zuerst bewußt wurde, als mir das Holzspalten mit der Axt zu schwer wurde und mir dabei nach kurzer Zeit der Schweiß ausbrach.
Das war damals, vor langer Zeit - ich war so um die 50 herum.
Heute merke ich dieses Altern noch etwas deutlicher.
Kaum hab ich die 76 Jährchen hinter mir, da fällt mir das Aufstehen schwerer als vorher.
Besonders auffällig ist dieses beim Aufstehen aus der Hocke heraus oder wenn ich auf einen Stuhl steigen will. Ohne die Hilfe meiner Hände gelingt mir dieses nicht mehr so recht.
Ja, auch an meinen Zähnen merke ich dieses Altern.
Mein Zahnarzt verdient jetzt sein Geld an mir mit einer gelegentlichen Überkronung eines meiner brüchigen Zähne und anderen Flickschustereien an meinem (noch) natürlichen Gebiß.
Mit meinen grauen Zellen habe ich da weniger Probleme.
Mußte ich früher meine Brigitte doch ab und zu darum bitten mir meine Brille zu suchen, so finde ich meine Sachen heute deutlich sicherer und schneller.
Ja, ich weiß noch, wie es vor Jahren einmal war, daß ich meine Bohrkrone (zum Ausbohren eines Loches in der Wand für eine neue Steckdose) nicht finden konnte . . . Meine Brigitte hatte zwar keine Ahnung, was das für ein Ding ist, aber nach meiner Beschreibung hatte sie dieses wertvolle Teil doch innerhalb kurzer Zeit tatsächlich gefunden!
Auch mit den Problemen an den Computern meiner Freude und Bekannten komme ich immer noch recht gut zurecht.
Und dank der "Altgeräte-Spenden" meines Sohnes bin ich inzwischen auch bestens, mit den von mir freiwillig nachgekauften Nachfolgern seines alten Smartphones und Tablets, vertraut und nutze diese, zum Leidwesen meiner Frau, auch fleißig bei den Nachrichtensendungen am Fernseher.
Nein, im Kopf bin ich noch nicht alt geworden, aber um den Kopf herum schon.
Beim Autofahren macht es mir jetzt immer mehr Probleme, daß ich keinen "langen Hals" mehr machen kann; das wird schon manchmal auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums zu einem echten Ärgernis.
Ja, ja, die lieben Halswirbel und deren Muskeln drumherum sind doch nicht mehr das, was sie früher einmal waren . . .
Ein wenig Sorgen bereitet mir aber indessen das zeitweilige Zittern meiner Hände, wenn eine bestimmte Muskelanspannung besteht.
So zittert meine linke Hand beim Halten meines Tabletts zeitweilig so sehr, daß ich dieses nicht mehr richtig betrachten kann.
Meine rechte Hand bereitet mir dagegen etwas weniger Ärger.
Aber mein damaliges Ärgernis - das gezählte Alter - ist längst zu meinem Vergnügen geworden:
Die Leute verschätzen sich fast immer, wenn sie mein Alter schätzen.
Hatte es mich damals in Torrance (L.A.) noch geärgert, daß ich mit 25 Jahren immer noch meinen Ausweis an der Kasse zeigen mußte, wenn ich mir nur eine Flasche Kirschwein kaufte, so hat sich dieses in eine diebische Freude verwandelt, wenn sich die meisten Leute jetzt - genau so wie damals - kräftig verschätzen.
Meine immer noch vollen dunkten Haare (ja, so ein paar kleine graue Ecken sind da schon zu sehen) täuschen doch noch immer über meinen Krückstock hinweg, ohne den ich nur selten spazieren gehe.
Und dennoch: Die drei wichtigen Papiere wie Testament, Patientenverfügung und Betreuungsverfügung liegen für den Notfall in meiner obersten Schreibtischschublade bereit.
Aber am Aufräumen meiner Sachen bin ich noch nicht; dazu besteht keine Eile.
Der 'Neue Netzgarten' . . . . . für meine Familie und meine Freunde.
Privates aus dem Rosengarten bei Hamburg.
Montag, 23. Mai 2016
Das Alter und die "Guten alten Zeiten".
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Philosophisches
Samstag, 23. April 2016
Erinnerungen, Teil I.
Das Leben hat es immer wieder gut mit mir gemeint.
Nun ja, da waren auch weniger gute Zeiten und Vorkommen dabei, aber die konnten mein Leben nicht dauerhaft überschatten.
Meine ersten 3 Jahre verbrachte ich bei meinen liebevollen Eltern und meinen 3 Brüdern in einem Reihenhaus mit Garten in Hamburg-Wandsbek-Gartenstadt.
Der Krieg
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mich meine ältere Cousine mit auf die Schaukel nahm und wie wir dann beide geruhsam durch die Luft pendelten.
Auch an die herrlichen Bürgermeister-Birnen von unserem eigenen Baum kann ich mich noch gut erinnern. Diese Bürgermeister-Birnen sind bis heute meine liebste Birnensorte und meine Frau hat jetzt die Last, mir diese Rarität im Herbst zu besorgen.
Aber auch an jene Bombennacht kann ich mich erinnern, als wir Brüder im Bunker unter die unterste Etage der 3-stöckigen Holzbetten krabbelten, um den auf den Bunker fallenden Bomben zu entkommen.
Ja, wir hatten vor Angst die Hosen voll, während der Bunker bebte.
Zum Glück erlebten wir die Bombardierung unseres Reihenhäuschens nicht, da waren wir schon längst nach Bayern evakuiert worden
Die Zeit in Bayern
Es war Krieg und die Tiefflieger sausten zeitweilig an der nahe gelegenen Bahnlinie entlang.
Wri Kinder waren fasziniert von den tief fliegenden Flugzeugen und wollten oft auf die Zurufe unserer Mutter nicht ins Haus kommen.
Nein, Angst hatten wir vor denen nicht, denn sie kamen ja nie in die Nähe unserer Häuser, sondern hatten es wohl nur auf die Bahnlinie abgesehen.
Als dann die Amerikaner einmarschierten und ganz in der Nähe unseres Hauses ihr Camp aufschlugen, begann für uns Kinder eine recht interessante Zeit.
Die Weißen Soldaten hausten in schnell aufgebauten Holzbaracken und die Neger-Soldaten (ja, "Neger" war damals noch nicht als Schimpfwort deklariert) schliefen auf der Wiese in ihren Zelten.
Nein, wir Kinder hatten keine "Angst vor dem Schwarzen-Mann" - wir hatten schnell heraus, daß sie meistens viel freundlicher zu uns waren als ihre Weißen Kameraden.
Wer fütterte uns Kinder denn mit Schokolade und Apfelsinen? Das waren die Neger.
Die anderen Soldaten hatten eher ihr Vergnügen daran, uns Kinder zuerst den Deutschen Gruß sagen zu lassen, um uns dann, wenn wir darauf hereingefallen waren, hoch zu nehmen und den Arsch zu versohlen.
Krieg - Es war auch eine gefährliche Zeit . . . wenn wir spielten,
allerdings erkannten wir dieses als Kinder nicht so recht.
Meine Brüder und die Nachbar-Jungs klauten von den Amerikanern verschieden Arten von Munition und spielten recht unbedarft mit denen.
Einmal wurde gar eine Sprengkapsel mit Zündschnur erbeutet und einer meiner Brüder und ein Nachbarjunge stritten darüber, ob man nun die Zündschnur anzünden oder aber das Ding lieber aufschrauben sollten.
Als dann nach dem Aufschrauben das weiße Pulver auf der Erde lag, stellte sich der Nachbarjunge aufrecht darüber und ließ ein brennendes Streichholz herunter fallen.
Anschließend hatte er keine Augenbrauen mehr und sein vorderes Haarbüschel oben auf dem Kopf sah auch recht komisch aus und stank fürchterlich nach verbranntem Horn. Seine Augen hatten zum Glück keinen Schaden genommen und auch Brandwunden blieben aus.
Ein anderes mal wurde gar ein ganzer Gürtel mit den langen Patronen für ein Maschinengewehr erbeutet. Die einzelnen Patronen wurden aus dem Gürtel heraus gefingert und der vordere Teil wurde so lange an einen Kantstein geklopft, bis die Spitze gelockert war und heraus fiel.
Das so gewonnene Pulver brannte dann immer in einer schönen Stichflamme.
Einen Teil der Patronen legten wir auch oben auf dem Bahndamm auf die Gleise.
Wenn dann nach langer Zeit ein Güterzug kam, dann hörte sich das an, als wenn dort oben ein Brett brach: Krrackkkkkkkkkkkkk.
Die Rückkehr nach Hamburg
Meinen 6. Geburtstag feierte ich wieder in Hamburg.
Unser Reihenhaus war im Kriege abgebrannt; eine Phosphorbombe soll die Ursache gewesen sein.
wir wurden in das private Wohnhaus eines Schmiedemeisters im oberen Stockwerk einquartiert.
Und auch hier fand ich immer wieder Menschen, die mir freundlich und liebevoll entgegen kamen. mir scheint heute, daß ich immer das Geschick hatte, mich auch bei den anderen Müttern in der Nachbarschaft einzuschmusen. Und dieses Geschick erleichterte mir auch die nachfolgende Zeit erheblich, als unsere Mutter an Brustkrebs erkrankte und wir immer wieder einmal für einige Zeit in ein Kinderheim kamen und damit auch die Schule wechseln mußten.
Es war eine Zeit der kurzen Freundschaften, die immer wieder zerbrachen - und dennoch war auch diese Zeit irgendwie schön.
Da war "Tante" Ellen und "Tante" Lisa im Kinderheim, die mir so manches mal die fehlende Mutter ersetzten und mich aufpäppelten und auch so einiges durchgehen ließen.
Eines der schönsten Beispiele war folgendes:
Ich hatte Angst vor einer Klassenarbeit in Mathe und schlief in der Nacht davor recht schlecht.
Am Morgen wollte ich dann nicht aufstehen, weil mir angeblich der ganze Rücken weh täte.
Meine Bettnachbarn bestätigten auch, daß ich in der Nacht im Schlaf oft vor Schmerzen gestöhnt hätte. Die Diagnose "Hexenschuß" war dann schnell gestellt und die Heimtante Lisa ließ mich den ganzen Tag nicht mehr aus dem Bett. - Auch nicht, als draußen die Sonne warm strahlte und es mir schon "viel viel besser" ging.
So schmorte ich dort im Bett den ganzen Tag, während meine Freunde in der Kinderheimgruppe draußen im schönsten Sonnenschein spielten.
Damals wußte ich noch nicht, daß man mich voll durchscheut und mich mit dieser recht subtilen Erziehungsmethode dauerhaft kurierte.
Die Freizügigkeit und die Erziehungsmethoden in diesem Kinderheim in Hohen-Bergstedt waren der damaligen Zeit weit voraus!
Wir Kinder hatten einen Schäferhund-Mischling im Hause, eine Wiese zur Alter hin und konnten uns sogar ein Floß aus denn ergatterten großen Benzinkanistern der englischen Armee bauen und auf der Alster bis zur Wellingsbütteler Schleuse schippern.
Und auch, als der Freundeskreis um meinen Bruder, einmal die Wiese zur Alster hin in Brand steckte, gab es keine Prügel, sondern nur Stubenarrest.
Der Tod unserer Mutter und unsere neue Stiefmutter und unsere Nachbarn.
Auch als unsere Mutter im Frühjahr 1951 starb wurden wir im Kinderheim liebevoll aufgefangen.
Aber unsere Stiefmutter hatte bei uns 5 Brüdern keine wirkliche Chance.
Sie hatte sich redlich bemüht, scheiterte aber letztendlich, als wir Jungs nacheinander so langsam in die Pubertät kamen. Die von ihr mit in die Ehe gebrachte Tochter machte ihr das Leben in dieser Großfamilie auch nicht eben leichter.
Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie sie mich einmal liebevoll umsorgte, als ich mit dem Fahrrad meines älteren Bruders schwer gestürzt war und mit blutigen Knien nach Hause kam:
Ich wurde liebevoll getröstet, sauber gemacht und so gegen 3 Uhr nachmittags erst einmal ins Bett gebracht.
Es gab auch kein Donnerwetter wegen des arg lädierten Fahrrades - damals immerhin ein rares Stück!
Ich hatte da auch so meine Anlaufstellen, wenn ich mal ein paar Streicheleinheiten brauchte.
Da war die Nachbarin hinter dem Teich, die mit ihrem Mann und den kleinen Kindern in einer Baracke wohnte. Und weiter oben, an der Straße in Richtung Berner Bahnhof, war die Frau Minzreck mit ihren beiden rothaarigen Zwillingen (Klassenkameraden meines älteren Bruders), die sehr herzlich war und immer auch etwas zu Essen hatte; das war so nach dem Kriege schon etwas Besonderes!
Und ein Stückchen weiter wohnte ein älteres Ehepaar in einem kleinen Gartenhäuschen, die immer viel Zeit hatten. Die freuten sich immer riesig, wenn ich mir in ihren Garten ein paar Äpfel, Birnen oder andere Leckereien abholte.
Ich hatte lange gerätselt, warum die beiden Alten schon immer an der offenen Tür warteten, wenn ich durch den langen Gartenweg kam - des Rätsels Lösung verriet mir der alte Herr dann einmal: Da sei ein Draht an einem Kontakt an der Pforte und jedes mal, wenn einer die Pforte aufmachte, klingelte es schon im Haus bei ihnen. Das sei notwendig, weil zu jener Zeit noch die Äpfel und Birnen (oder gar auch das Gemüse) noch aus dem Garten geklaut wurden.
Besondere Menschen auf meinem weiteren Lebensweg.
Da waren zunächst Meine Lehrer an den verschiedenen Schulen.
In Bergstedt war das der gerechte, aber etwas strenge Klassenlehrer Herr Knittel mit runden Gläsern in seiner Drahtbrille und Frau Becker, meine sehr nette ältere Englisch-Lehrerin.
An die Lehrer und Lehrerinnen in Rahlstedt kann ich mich nicht mehr erinnern, dafür aber umso besser an meinen Klassenlehrer Herrn Eggers in der Schule am Graudenzerweg in Wandsbek-Gartenstadt.
Seinen anschaulichen Unterricht in Sachen Plattdeutsch werde ich nie vergessen.
Er machte den Fehler, uns beizubringen, daß die Schimpfwörter auf Plattdeutsch zwar oft deftiger und dennoch meist weniger verletzend seien. Als Beispiel nannte er uns eines, allerdings unter vorheriger Abnahme des Versprechens, daß wir dieses Wort danach bitte nicht weiter benutzen dürften: "Schietmist" sei doch viel milder als unser hochdeutscher Ausdruck "Scheißdreck".
Natürlich war dieses, für uns neue, Wort Schietmist danach eines unserer Lieblingswörter.
Einen Bruck in dieser recht kinderfreundlichen Umgebung gab es erst, als ich damals in die damals so genannte "Technische Oberschule" (Realschule) versetzt wurde.
Der neue Klassenlehrer verkündete gleich in den ersten Tagen, daß er kräftig sieben müsse, weil die derzeitige Klassenstärke von 43 Schülern und Schülerinnen einfach für einen Unterricht zu groß sei.
Ich gab mir keine Mühe und versackte rettungslos in den Fächern Matehematik und Englisch.
Der Erfolg war erfreulich: Ich hatte meinen alten Klassenlehrer, Herrn Eggers, wieder!
Meine Note in Englisch kam hier allerdings auch nicht über eine Vier hinaus . . . das sollte sich in meinem späteren Leben ändern.
Im Jahre 2004 waren wir in England zu Besuch bei Freunden und ich wurde dort in dem kleinen Städtchen in der Nähe von London in einem kleinen Secondhand Lädchen von der etwas älteren Verkäuferin gefragt: "Do you come from Australia?"
Sie ahnte bei meinem in den USA erworbenen Akzent-Mischmasch nicht, daß ich ein waschechter Hamburger aus Deutschland sein könnte und war dann doch sehr erstaunt, als ich sie über meine Herkunft aufklärte.
Mehr Heiterkeit verursachte ich allerdings im Jahe 2000, mit meinem Spruch:
"I am just a real Hamburger . . . but not as tasty!"
Die beiden Mädels, die mich bei meinem Urlaub am Grand Canyon fragten, woher ich komme, konnten sich vor Lachen kaum noch halten.
Nun ja, da waren auch weniger gute Zeiten und Vorkommen dabei, aber die konnten mein Leben nicht dauerhaft überschatten.
Meine ersten 3 Jahre verbrachte ich bei meinen liebevollen Eltern und meinen 3 Brüdern in einem Reihenhaus mit Garten in Hamburg-Wandsbek-Gartenstadt.
Der Krieg
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mich meine ältere Cousine mit auf die Schaukel nahm und wie wir dann beide geruhsam durch die Luft pendelten.
Auch an die herrlichen Bürgermeister-Birnen von unserem eigenen Baum kann ich mich noch gut erinnern. Diese Bürgermeister-Birnen sind bis heute meine liebste Birnensorte und meine Frau hat jetzt die Last, mir diese Rarität im Herbst zu besorgen.
Aber auch an jene Bombennacht kann ich mich erinnern, als wir Brüder im Bunker unter die unterste Etage der 3-stöckigen Holzbetten krabbelten, um den auf den Bunker fallenden Bomben zu entkommen.
Ja, wir hatten vor Angst die Hosen voll, während der Bunker bebte.
Zum Glück erlebten wir die Bombardierung unseres Reihenhäuschens nicht, da waren wir schon längst nach Bayern evakuiert worden
Die Zeit in Bayern
Es war Krieg und die Tiefflieger sausten zeitweilig an der nahe gelegenen Bahnlinie entlang.
Wri Kinder waren fasziniert von den tief fliegenden Flugzeugen und wollten oft auf die Zurufe unserer Mutter nicht ins Haus kommen.
Nein, Angst hatten wir vor denen nicht, denn sie kamen ja nie in die Nähe unserer Häuser, sondern hatten es wohl nur auf die Bahnlinie abgesehen.
Als dann die Amerikaner einmarschierten und ganz in der Nähe unseres Hauses ihr Camp aufschlugen, begann für uns Kinder eine recht interessante Zeit.
Die Weißen Soldaten hausten in schnell aufgebauten Holzbaracken und die Neger-Soldaten (ja, "Neger" war damals noch nicht als Schimpfwort deklariert) schliefen auf der Wiese in ihren Zelten.
Nein, wir Kinder hatten keine "Angst vor dem Schwarzen-Mann" - wir hatten schnell heraus, daß sie meistens viel freundlicher zu uns waren als ihre Weißen Kameraden.
Wer fütterte uns Kinder denn mit Schokolade und Apfelsinen? Das waren die Neger.
Die anderen Soldaten hatten eher ihr Vergnügen daran, uns Kinder zuerst den Deutschen Gruß sagen zu lassen, um uns dann, wenn wir darauf hereingefallen waren, hoch zu nehmen und den Arsch zu versohlen.
Krieg - Es war auch eine gefährliche Zeit . . . wenn wir spielten,
allerdings erkannten wir dieses als Kinder nicht so recht.
Meine Brüder und die Nachbar-Jungs klauten von den Amerikanern verschieden Arten von Munition und spielten recht unbedarft mit denen.
Einmal wurde gar eine Sprengkapsel mit Zündschnur erbeutet und einer meiner Brüder und ein Nachbarjunge stritten darüber, ob man nun die Zündschnur anzünden oder aber das Ding lieber aufschrauben sollten.
Als dann nach dem Aufschrauben das weiße Pulver auf der Erde lag, stellte sich der Nachbarjunge aufrecht darüber und ließ ein brennendes Streichholz herunter fallen.
Anschließend hatte er keine Augenbrauen mehr und sein vorderes Haarbüschel oben auf dem Kopf sah auch recht komisch aus und stank fürchterlich nach verbranntem Horn. Seine Augen hatten zum Glück keinen Schaden genommen und auch Brandwunden blieben aus.
Ein anderes mal wurde gar ein ganzer Gürtel mit den langen Patronen für ein Maschinengewehr erbeutet. Die einzelnen Patronen wurden aus dem Gürtel heraus gefingert und der vordere Teil wurde so lange an einen Kantstein geklopft, bis die Spitze gelockert war und heraus fiel.
Das so gewonnene Pulver brannte dann immer in einer schönen Stichflamme.
Einen Teil der Patronen legten wir auch oben auf dem Bahndamm auf die Gleise.
Wenn dann nach langer Zeit ein Güterzug kam, dann hörte sich das an, als wenn dort oben ein Brett brach: Krrackkkkkkkkkkkkk.
Die Rückkehr nach Hamburg
Meinen 6. Geburtstag feierte ich wieder in Hamburg.
Unser Reihenhaus war im Kriege abgebrannt; eine Phosphorbombe soll die Ursache gewesen sein.
wir wurden in das private Wohnhaus eines Schmiedemeisters im oberen Stockwerk einquartiert.
Und auch hier fand ich immer wieder Menschen, die mir freundlich und liebevoll entgegen kamen. mir scheint heute, daß ich immer das Geschick hatte, mich auch bei den anderen Müttern in der Nachbarschaft einzuschmusen. Und dieses Geschick erleichterte mir auch die nachfolgende Zeit erheblich, als unsere Mutter an Brustkrebs erkrankte und wir immer wieder einmal für einige Zeit in ein Kinderheim kamen und damit auch die Schule wechseln mußten.
Es war eine Zeit der kurzen Freundschaften, die immer wieder zerbrachen - und dennoch war auch diese Zeit irgendwie schön.
Da war "Tante" Ellen und "Tante" Lisa im Kinderheim, die mir so manches mal die fehlende Mutter ersetzten und mich aufpäppelten und auch so einiges durchgehen ließen.
Eines der schönsten Beispiele war folgendes:
Ich hatte Angst vor einer Klassenarbeit in Mathe und schlief in der Nacht davor recht schlecht.
Am Morgen wollte ich dann nicht aufstehen, weil mir angeblich der ganze Rücken weh täte.
Meine Bettnachbarn bestätigten auch, daß ich in der Nacht im Schlaf oft vor Schmerzen gestöhnt hätte. Die Diagnose "Hexenschuß" war dann schnell gestellt und die Heimtante Lisa ließ mich den ganzen Tag nicht mehr aus dem Bett. - Auch nicht, als draußen die Sonne warm strahlte und es mir schon "viel viel besser" ging.
So schmorte ich dort im Bett den ganzen Tag, während meine Freunde in der Kinderheimgruppe draußen im schönsten Sonnenschein spielten.
Damals wußte ich noch nicht, daß man mich voll durchscheut und mich mit dieser recht subtilen Erziehungsmethode dauerhaft kurierte.
Die Freizügigkeit und die Erziehungsmethoden in diesem Kinderheim in Hohen-Bergstedt waren der damaligen Zeit weit voraus!
Wir Kinder hatten einen Schäferhund-Mischling im Hause, eine Wiese zur Alter hin und konnten uns sogar ein Floß aus denn ergatterten großen Benzinkanistern der englischen Armee bauen und auf der Alster bis zur Wellingsbütteler Schleuse schippern.
Und auch, als der Freundeskreis um meinen Bruder, einmal die Wiese zur Alster hin in Brand steckte, gab es keine Prügel, sondern nur Stubenarrest.
Der Tod unserer Mutter und unsere neue Stiefmutter und unsere Nachbarn.
Auch als unsere Mutter im Frühjahr 1951 starb wurden wir im Kinderheim liebevoll aufgefangen.
Aber unsere Stiefmutter hatte bei uns 5 Brüdern keine wirkliche Chance.
Sie hatte sich redlich bemüht, scheiterte aber letztendlich, als wir Jungs nacheinander so langsam in die Pubertät kamen. Die von ihr mit in die Ehe gebrachte Tochter machte ihr das Leben in dieser Großfamilie auch nicht eben leichter.
Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie sie mich einmal liebevoll umsorgte, als ich mit dem Fahrrad meines älteren Bruders schwer gestürzt war und mit blutigen Knien nach Hause kam:
Ich wurde liebevoll getröstet, sauber gemacht und so gegen 3 Uhr nachmittags erst einmal ins Bett gebracht.
Es gab auch kein Donnerwetter wegen des arg lädierten Fahrrades - damals immerhin ein rares Stück!
Ich hatte da auch so meine Anlaufstellen, wenn ich mal ein paar Streicheleinheiten brauchte.
Da war die Nachbarin hinter dem Teich, die mit ihrem Mann und den kleinen Kindern in einer Baracke wohnte. Und weiter oben, an der Straße in Richtung Berner Bahnhof, war die Frau Minzreck mit ihren beiden rothaarigen Zwillingen (Klassenkameraden meines älteren Bruders), die sehr herzlich war und immer auch etwas zu Essen hatte; das war so nach dem Kriege schon etwas Besonderes!
Und ein Stückchen weiter wohnte ein älteres Ehepaar in einem kleinen Gartenhäuschen, die immer viel Zeit hatten. Die freuten sich immer riesig, wenn ich mir in ihren Garten ein paar Äpfel, Birnen oder andere Leckereien abholte.
Ich hatte lange gerätselt, warum die beiden Alten schon immer an der offenen Tür warteten, wenn ich durch den langen Gartenweg kam - des Rätsels Lösung verriet mir der alte Herr dann einmal: Da sei ein Draht an einem Kontakt an der Pforte und jedes mal, wenn einer die Pforte aufmachte, klingelte es schon im Haus bei ihnen. Das sei notwendig, weil zu jener Zeit noch die Äpfel und Birnen (oder gar auch das Gemüse) noch aus dem Garten geklaut wurden.
Besondere Menschen auf meinem weiteren Lebensweg.
Da waren zunächst Meine Lehrer an den verschiedenen Schulen.
In Bergstedt war das der gerechte, aber etwas strenge Klassenlehrer Herr Knittel mit runden Gläsern in seiner Drahtbrille und Frau Becker, meine sehr nette ältere Englisch-Lehrerin.
An die Lehrer und Lehrerinnen in Rahlstedt kann ich mich nicht mehr erinnern, dafür aber umso besser an meinen Klassenlehrer Herrn Eggers in der Schule am Graudenzerweg in Wandsbek-Gartenstadt.
Seinen anschaulichen Unterricht in Sachen Plattdeutsch werde ich nie vergessen.
Er machte den Fehler, uns beizubringen, daß die Schimpfwörter auf Plattdeutsch zwar oft deftiger und dennoch meist weniger verletzend seien. Als Beispiel nannte er uns eines, allerdings unter vorheriger Abnahme des Versprechens, daß wir dieses Wort danach bitte nicht weiter benutzen dürften: "Schietmist" sei doch viel milder als unser hochdeutscher Ausdruck "Scheißdreck".
Natürlich war dieses, für uns neue, Wort Schietmist danach eines unserer Lieblingswörter.
Einen Bruck in dieser recht kinderfreundlichen Umgebung gab es erst, als ich damals in die damals so genannte "Technische Oberschule" (Realschule) versetzt wurde.
Der neue Klassenlehrer verkündete gleich in den ersten Tagen, daß er kräftig sieben müsse, weil die derzeitige Klassenstärke von 43 Schülern und Schülerinnen einfach für einen Unterricht zu groß sei.
Ich gab mir keine Mühe und versackte rettungslos in den Fächern Matehematik und Englisch.
Der Erfolg war erfreulich: Ich hatte meinen alten Klassenlehrer, Herrn Eggers, wieder!
Meine Note in Englisch kam hier allerdings auch nicht über eine Vier hinaus . . . das sollte sich in meinem späteren Leben ändern.
Im Jahre 2004 waren wir in England zu Besuch bei Freunden und ich wurde dort in dem kleinen Städtchen in der Nähe von London in einem kleinen Secondhand Lädchen von der etwas älteren Verkäuferin gefragt: "Do you come from Australia?"
Sie ahnte bei meinem in den USA erworbenen Akzent-Mischmasch nicht, daß ich ein waschechter Hamburger aus Deutschland sein könnte und war dann doch sehr erstaunt, als ich sie über meine Herkunft aufklärte.
Mehr Heiterkeit verursachte ich allerdings im Jahe 2000, mit meinem Spruch:
"I am just a real Hamburger . . . but not as tasty!"
Die beiden Mädels, die mich bei meinem Urlaub am Grand Canyon fragten, woher ich komme, konnten sich vor Lachen kaum noch halten.
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Mein Leben